Herkunft und Kindheit
Walter Erdenberger wurde am 5. Mai 1886 in Schlotheim als Sohn des Verlegers und Druckereibesitzers Hermann Erdenberger geboren. Er hatte fünf Geschwister, einen Bruder und drei Schwestern.
Sein Vater war ein Jahr zuvor von Plaue nach Schlotheim gekommen und gründete dort einen Verlag mit eigener Druckerei, der noch heute besteht und inzwischen von der Familie in vierter Generation geführt wird. Beide Söhne erlernten im Familienbetrieb den Beruf des Buchdruckers.
Am 3. Oktober 1906 trat Walter als Dreijährig-Freiwilliger in die Kaiserliche Marine ein und wurde dem III. Stammseebataillon in Wilhelmshaven zugeteilt. Dort bereitete er sich auf seinen Einsatz in der deutschen Kolonie Kiautschou vor.
Die Reise mit dem Dampfer "Roon" begann am 11. Januar 1907 und dauerte bis zum 21. Februar 1907. In Kiautschou diente er zwei Jahre bei der 2. Kompanie des III. Seebataillons unter Major Hermann Credner.
Die Rückreise erfolgte vom 26. Februar 1909 bis zum 8. April 1909 mit dem Dampfer "Rugia". Seine aktive Dienstzeit endete am 15. April 1909; er wurde zur Disposition des III. Stammseebataillons entlassen.
Militärpass, Jahresklasse 1906
Beginn der Fliegerlaufbahn
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Erdenberger bei seiner Stammeinheit reaktiviert. Das III. Stammseebataillon war bereits am 1. März 1913 nach Cuxhaven verlegt worden. Dort diente er bis zum 7. Januar 1915.
Am 8. Januar 1915 wurde er zur 1. Kompanie des XI. Seebataillons nach Wilhelmshaven versetzt und am 12. Juli 1915 zur Marine-Landflieger-Abteilung kommandiert. Vermutlich versah er dort Dienst beim Stamm in Johannisthal, was jedoch nicht mit letzter Sicherheit belegt ist.
Seine Spur verliert sich zunächst, bis er im Januar 1917 - inzwischen Obermatrose (befördert am 23. Juni 1908) - bei der Fliegerschule Johannisthal die Ausbildung zum Flugzeugführer begann. Den ersten und zweiten Teil der Pilotenprüfung legte er am 3. Mai 1917 auf dem Flugzeug mit der Kennung LF 156 erfolgreich ab. Die abschließende Feldpilotenprüfung bestand er am 16. Mai 1917 mit LF 81 ebenfalls erfolgreich. Den FAI-Ausweis Nr. 2297 erhielt er am 22. Mai 1917.
Barogrammstreifen der Feldpilotenprüfung am 16.05.1917 unterschrieben von Lt.d.R.M.A. Plambeck
Fliegerausweis der FAI Nr. 2297 vom 22.05.1917
Fronteinsatz als Marineflieger
Seine erste Verwendung führte ihn zur
Landflugstation (LFS) Hage bei Norden, wo er seine Ausbildung als C-Flieger (zweisitzige bewaffnete Maschinen) vertiefte. Nach etwa einem Monat wurde er zur
LFS Kiel kommandiert, wo er vom 5. Juli bis zum 18. Juli 1917 diente.
Es folgte seine erste Frontverwendung bei der
LFS Schlüterhof im Baltikum. Diese Einheit war aus der Hallenschutzstation Wainoden hervorgegangen und zunächst in Tukkum, später auch in Riga stationiert. Geführt wurde sie vom Armee-Hauptmann
Friedrich Götze. Während dieser Zeit absolvierte Erdenberger 20 Aufklärungs- und Fotoflüge.
Am 6. September 1917 erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse, am 9. Oktober 1917 das Landfliegerabzeichen. Die Beförderung zum Flugmaaten d.S.I. erfolgte am 28. Dezember 1917. Bis zur Auflösung der Einheit im Dezember 1917 blieb er dort im Einsatz.
Anschließend wurde er zur Ausbildung als Kampfeinsitzer zur Kampfeinsitzer-Schule (KES) Langfuhr bei Danzig kommandiert.
Marinekorps Flandern und Rückkehr ins Zivilleben
Am 15. Januar 1918 wurde er zur Verfügung des Kommandeurs des Luftfahrwesens beim Marinekorps Flandern kommandiert. Ob er die Ausbildung zum Einsitzerflieger erfolgreich abschloss, ließ sich nicht ermitteln. Es ist jedoch anzunehmen, dass dies nicht der Fall war, da seine Verwendung in Flandern als C-Flieger vorgesehen war. Als mögliche Einheiten kommen die I. oder II. Marine-Feldflieger-Abteilung in Betracht.
Entlassungsschein.
Im Jahr 1918 starb sein Vater Hermann Erdenberger unerwartet. Walter wurde daraufhin am 2. Juli 1918 zur Arbeitsleistung im Familienbetrieb entlassen. Die Fliegerzulage war ihm bereits am 3. Juni 1918 - vermutlich aus gesundheitlichen Gründen - gestrichen worden. Somit stand seiner Freistellung nichts im Wege.
Er übernahm die Leitung der Firma und führte sie auch nach dem Ende des Krieges weiter. Später übernahm sein jüngerer Bruder Hans (geb. 1899) den Betrieb.
Walter ging anschließend nach Erfurt und eröffnete dort eine Niederlassung für Motorräder der Marke BMW.
Er überlebte auch den Zweiten Weltkrieg, war verheiratet und hatte zwei Kinder. Sein Sohn gilt im Zweiten Weltkrieg als vermisst und gefallen.